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Gewitter am Berg: Mit guter Tourenplanung das Risiko minimieren (Gewitter am Berg: Was tun?)

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Gewitter am Berg: Mit guter Tourenplanung das Risiko minimieren

[09.07.2020] In den Sommermonaten gehören Gewitter zu den größten Gefahren am Berg. Neben Kälte und Nässe und den damit einhergehenden Risiken der Unterkühlung bzw. Ausrutschgefahr bringt das Wetterphänomen auch eine akute Blitzschlaggefahr mit sich. Mit einer sorgfältigen Tourenplanung, einem frühen Aufbruch und einem rechtzeitigen Beenden der Tour lassen sich die allermeisten Gewitter vermeiden, empfiehlt der Österreichische Alpenverein.

Blitzschlag (Foto: Layne Lawson)

Gewittertypen: Front- und Wärmegewitter

Es gibt zwei verschiedene Gewittertypen: 

  • das Frontgewitter, welches mit einer Kaltfront (und evtl. folgendem Wettersturz) auftritt. „Solche Frontgewitter haben meist eine eindeutige Zugbahn und treten großflächig auf. Ihr Auftreten ist wenig überraschend, ihre Ankunftszeit ist meist gut vorhersagbar und ist tages- und jahreszeitlich unabhängig“, verrät Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport beim Österreichischen Alpenverein.
  • das Wärmegewitter. Diese Gewitter treten vor allem in den warmen Monaten (wobei der Juli der gewitterreichste Monat ist, gefolgt von August und Juni) während Schönwetterperioden auf. Je wärmer es ist, desto mehr Wasserdampf befindet sich in der Luft und umso leichter können sich Gewitter entwickeln. Typischer Weise nimmt die Gewitterneigung während einer Schönwetterperiode von Tag zu Tag weiter zu

Die Beobachtung der Wolkenbildung gibt Aufschluss über die Gewitterneigung: Wachsen anfangs kleine Haufen- bzw. Schönwetterwolken rasch zu immer größer werdenden Quellwolken und schlussendlich zu Wolkentürmen (evtl. sogar mit Ambossbildung) aus, sind dies eindeutige Alarmzeichen. „Im Gegensatz zu Frontgewittern treten Wärmegewitter meist am Nachmittag oder Abend sowie lokal begrenzt auf. Auch ist ein Wärmegewitter kein Indiz für eine nachhaltige Wetterverschlechterung“, so Larcher.

Ambossförmige Auftürmung einer Gewitterwolke. (Foto: ÖAV/Melcher)
Ambossförmige Auftürmung einer Gewitterwolke. (Foto: ÖAV/Melcher)
 

Sorgfältige Planung ist entscheidend

Von Gewittern überrascht zu werden, lässt sich mit einer guten Tourenplanung und einer genauen Beobachtung der Wolkenbildung am Tourentag zum Großteil verhindern. Ein früher Aufbruch kann vor allem im Sommer ein klarer Vorteil sein.

Wetterbericht und entsprechende Tourenplanung

Mit einer sorgfältigen Tourenplanung (beispielsweise Mithilfe der Plattform alpenvereinaktiv.com) und einer genauen Beobachtung der Wolkenbildung am Tourentag lässt sich ein Überrascht werden durch ein Gewitter zum Großteil verhindern. Ein früher Aufbruch ist vor allem im Sommer eine gute Strategie.

Oft lassen sich Gewitter mit einer guten Treffsicherheit vorhersagen. „Vor jeder Bergtour sollte man sich also möglichst zeitnah bei einem qualitätsvollen Wetterbericht über die tägliche Gewitterneigung informieren. Ist eine solche gegeben, planen wir unsere Tour so, dass wir rechtzeitig – idealerweise zu Mittag – wieder retour oder in einer Schutzhütte sind. Wir verzichten an labilen Tagen auf lange Touren und solche mit Seilversicherungen an ausgesetzten Graten und mit exponierten Gipfeln“, rät Michael Larcher vom Alpenverein.

Wetterentwicklung und Alarmzeichen beachten

Im Weiteren gilt: „Bei einer Prognose handelt es sich immer nur um eine Wahrscheinlichkeit, Gewitter auch früher aufziehen als ursprünglich angenommen. Deshalb lohnt es sich immer, die Entwicklung der letzten Tage und besonders die Wetterentwicklung auf Tour genau zu beobachten. Haben sich aufbauende Quellwolken von Tag zu Tag früher gebildet und gibt es am Tourentag schon in den Vormittagsstunden Haufenwolken, müssen wir bereits am frühen Nachmittag mit Gewittern rechnen“, weiß Larcher.

Bei Gewitterneigung entscheiden wir uns für eine Tour mit früher Rückkehr oder mit Abbruchmöglichkeit (Grafik: ÖAV/Georg Sojer)zoom
Bei Gewitterneigung entscheiden wir uns für eine Tour mit früher Rückkehr oder mit Abbruchmöglichkeit (Grafik: ÖAV/Georg Sojer)
Alarmzeichen: Gewitterwolken. (Foto: Crista Kramer)zoom
Alarmzeichen: Gewitterwolken. (Foto: Crista Kramer)
 

Akute und eindeutige Alarmzeichen für ein nahendes Gewitter sind turmartig und ambossförmig aufgebaute Gewitterwolken, böig auffrischender Wind und elektrische Ladungen (Surren) in der Luft. 

Als Faustregel gilt: Die Entfernung zu einem Gewitter in Kilometer lässt sich berechnen, indem man die vergangenen Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei dividiert. Beispiel: Beträgt die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden, ist das Gewitterzentrum nur mehr rund drei Kilometer entfernt. Allerhöchste Zeit, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen! 

Was tun, wenn ein Gewitter am Berg droht?

Richtige Touren- und Zeitplanung sowie rechtzeitiges Umkehren sind wesentlich, um nicht in ein Gewitter zu kommen. Überrascht uns dennoch einmal ein Gewitter, können wir unsere Situation mithilfe einfacher, aber effektiver Verhaltensregeln verbessern:

  • Wir verlassen so schnell wie möglich ausgesetzte Grate und alleinstehende Erhebungen wie Gipfelkreuze und Felstürme.
  • Wir entfernen uns von Stahlseilen und suchen – falls möglich – größere Felshöhlen zum Schutz auf, bleiben der Felswand aber so gut es geht, mindestens jedoch 1,5 m fern.
  • In Kauerstellung auf Rucksack oder Seil hockend, um eine mögliche Schrittspannung zu vermeiden, warten wir darauf, dass das Gewitter vorübergeht.
  • Im absturzgefährdeten Gelände bleiben wir stets selbstgesichert! 
  • Gegen Nässe und Auskühlung können wir uns mit Biwaksack und Funktionsbekleidung schützen.

Achtung: Gewitter sind oft mit Starkregen verbunden. In kurzer Zeit können in Felswänden gefährliche Sturzbäche entstehen und Steinschlag auslösen.

Zudem besteht bei Starkregen die Gefahr dass wir schnell durchnässt sind und stark auskühlen. Die größte Gefahr bei Starkregen besteht in der völligen Durchnässung und der daraus resultierenden Unterkühlung. In Mehrseillängen können wir nicht rasch und nicht beliebig ausweichen, was die Situation zusätzlich verschärft. Bietet sich ein trockener Platz, ist es meist besser, das Gewitter dort auszusitzen, als hektisch Richtung Ausstieg weiter zu klettern und dann ohne Schutz zu sein. 

Kauerstellung mit geschlossenen Beinen auf einer isolierenden Unterlage. Abstand halten von Wasserläufen und freistehenden Erhebungen wie Masten oder Bäumen. (Grafik: Georg Sojer)zoom
Kauerstellung mit geschlossenen Beinen auf einer isolierenden Unterlage. Abstand halten von Wasserläufen und freistehenden Erhebungen wie Masten oder Bäumen. (Grafik: Georg Sojer)
Bei Blitzschlaggefahr weg von Gipfelkreuzen! (Grafik: Georg Sojer)zoom
Bei Blitzschlaggefahr weg von Gipfelkreuzen! (Grafik: Georg Sojer)
 
Bei Felswänden sind wir sicher vor Blitzeinschlag, allerdings gilt es, die Steinschlaggefahr zu beachten. (Grafik: Georg Sojer)zoom
Bei Felswänden sind wir sicher vor Blitzeinschlag, allerdings gilt es, die Steinschlaggefahr zu beachten. (Grafik: Georg Sojer)
In Felsnischen halten wir genügend Abstand vom Fels. (Grafik: Georg Sojer)zoom
In Felsnischen halten wir genügend Abstand vom Fels. (Grafik: Georg Sojer)
 

Weiterlesen im "Booklet Bergwandern"

Das "Booklet Bergwandern" enthält alles, was Wanderer wissen müssen, um möglichst sicher und risikobewusst in den Bergen unterwegs zu sein und ihren Sport uneingeschränkt genießen zu können. Die Themen: Ausrüstung, Tourenplanung, Wetter, Orientierung, Bewegungstechnik, Verhalten im Notfall und Tipps zum Wandern mit Kindern.

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